FrettchenFrettchen

SteckbriefSteckbrief

Wissenschaftlicher Name: Mustela putorius furo
Deutscher Name: Frettchen
Englischer Name: ferret
Familie: Marder (Mustelidae)
Unterfamilie: Mustelinae
Gattung: Mustela
Untergattung: Iltisse (Putorius)
Art: Europäischer Iltis (Mustela putorius)
Unterart: Frettchen
Größe: Rüde 48 bis 80 cm (davon 13 bis 19 cm Schwanz)
Fähe 42 und 60 cm (davon 11 bis 14 cm Schwanz)
Gewicht: Rüden 800 bis weit über 2000 g
Fähen ca. 600 bis 1000 g
Lebenserwartung: 7-10 Jahre
Geschlechtsreife: zwischen dem 9. und 12. Monat
Tragzeit: 42 Tage
Wurfgröße: 2-12 Welpen, im Schnitt 5-7
Brutpflege: die Welpen kommen nackt und blind zur Welt, die Mutter übernimmt die alleinige Pflege
Sozialverhalten: Gruppentier
Aktivitätsphasen: eher Dämmerungsaktiv (passen sich jedoch dem Rhythmus des Halters an)
Lebensraum: Da das Frettchen ist der freien Wildbahn nicht existiert, hat es keinen speziellen Lebensraum. Der nächste Verwandte, der Iltis, lebt jedoch meist im Wald
Ernährung: Karnivor (reiner Fleischfresser)

HaltungsdiagrammHaltungsdiagramm

Anschaffungskosten
Unterhaltskosten
Platzbedarf
Zeitbedarf
Empfindlichkeit
Exoten-Faktor
Wildheit
Lärm-Faktor
Stink-Faktor
Verletzungsgefahr

Verbreitung / HerkunftVerbreitung / Herkunft

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AllgemeinesAllgemeines

Frettchen sind Raubtiere, keine Nagetiere, wie man es noch oftmals im Internet zuhören bekommt. Bevor man sich zwei Frettchen anschafft, sollte man sich im Klaren darüber sein, dass ihre Nahrung vorwiegend aus Fleisch und tierischen Erzeugnissen besteht und die kleinen Monster einen hohen Bewegungsdrang haben.

Verbreitung / HerkunftVerbreitung / Herkunft

Frettchen sind eine reine Haustierrasse, welche so in dieser Form nicht in freier Wildbahn zu finden ist. Wahrscheinlich sind Frettchen das Resultat aus Verpaarungen des Europäischen Waldiltisses mit dem Steppeniltis. Ob der Steppeniltis aber tatsächlich "Miterzeuger" war, ist nicht ganz sicher, die Wahrscheinlichkeit ist jedoch recht hoch, da eine große Ähnlichkeit besteht.
Zum ersten Mal wurde das Frettchen vor etwa 4500 Jahren am Hof gehalten. Dort belustigte es die Hofdamen mit seiner quirligen, eigenen Art. Etwa 450 v. Chr. Wird es in schriftlicher Form als "marderartiger Jagthelfer" erwähnt. Man züchtete die Frettchen erstmals als Jagdbegleiter für die Kaninchenjagt. Durch ihren schmalen, langen Körper eignen sie sich bis heute für diese Jagd. Sie werden vor den Bauten abgesetzt um die Langohren hinauszutreiben. In Fachkreisen spricht man deshalb auch vom „frettieren“.
Erst vor knapp 30 Jahren, also um 1980, wurde das Frettchen mehr und mehr zu Haustier. Man entdecke die liebevolle und neugierige Art der Kobolde für sich und hält sie seitdem mit steigender Beliebtheit.

HaltungHaltung

Frettchen sind keinesfalls Einzelgänger. Sie sind ausgesprochen soziale Tiere, die mindestens einen Artgenossen brauchen um glücklich zu sein. Der Mensch kann einen Artgenossen dabei niemals ersetzen.
Die Anschaffungskosten der Frettchen sind recht hoch, so muss bedacht werden, dass 2 Frettchen, eine passende Unterkunft benötigen. Die Einrichtung und vor allem die laufenden Kosten betragen sich schnell auf mehrere Hundert Euro. Zusätzlich kommt die jährliche Impfung gegen Staupe (Febrivac DIST) und Tollwut hinzu, sowie die Kosten für eine Kastration. Auch ein Polster für plötzlich auftretende Erkrankungen, sollte immer vorrätig sein.

Im Prinzip gibt es 3 Haltungsvarianten

Die Käfighaltung

Die Behausung für 2 Frettchen sollte mindestens 2qm betragen. Die gängigste Methode dafür, ist der Umbau eines normalen Kleiderschrankes. Für weniger begabte Handwerker, kann man sich auch in Schreinereien entsprechende Käfige anfertigen lassen. Natürlich ist das ebenfalls mit enormen Kosten verbunden. Die Fläche kann natürlich auch auf mehrere Etagen aufgeteilt werden. Klar ist: je mehr Platz, desto besser. Für jedes weitere Tier, sollte demnach mind. 1 qm dazu gerechnet werden. Im Handel angebotene Gehege sind zu 99% nicht zu gebrauchen. Sie dienen max. als Reisekäfige oder Rückzugsmöglichkeiten, bei Zimmerhaltung.
Im Käfig sollten zudem verschiedene Schlafmöglichkeiten angeboten werden. Dort sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Frettchen lieben Hängematten oder Hängehäuser. Man kann jedoch ausgepolsterte Schlafhäuschen verwenden, Schlafsäcke, Snuselbettchen oder auch einfach nur alte Betttücher, in die sie sich reinkuscheln können. Wichtig sind vor allem Abwechslung und Gemütlichkeit. Mehrere Spielsachen (geeignet sind Katzenspielzeuge, wie Angeln, Bälle, Mäuse oder Quietschetiere), Röhren und mindestens ein Katzenklo gehören ebenso in jeden Käfig.

Als Futter- und Wassernapf eignen sich schwere Keramikschüsseln oder aber z.B. an Gittern einzuhängende oder festzuschraubende Futternäpfe. Es sollte selbstverständlich sein, dass sowohl das Frettchenklo, als auch die Futter- und Wassernäpfe jeden Tag gereinigt werden.

Egal wie groß ein Käfig auch sein mag benötigen Frettchen täglich mehrere Stunden Auslauf. Kann man den neugierigen Kobolden kein eigenes Zimmer zur Verfügung stellen darf der tägliche Auslauf 3-4 Stunden nicht unterschreiten.


Der frettchensichere Auslauf:

Frettchen sind wirklich sehr erkundungsfreudige Zeitgenossen, die jeden Winkel und jeden Spalt der Wohnung untersuchen müssen. Damit der Auslauf aber nicht in einer mittelschweren Katastrophe endet, gibt es ein paar Dinge zu beachten. Der Halter steht in der Pflicht, dafür Sorge zu tragen, dass der Auslauf für die kleinen Trolle nicht gefährlich wird.

Man sollte unbedingt darauf achten, dass

  • Alle Türen, die zu Zimmern führen, in denen die Frettchen nicht erwünscht sind, geschlossen sind und alle im Haushalt lebende Personen über den Auslauf Bescheid wissen. Plötzlich aufgerissene Türen können nicht nur den Weg in die Freiheit bedeuten, sondern ebenfalls gequetschte Pfötchen und andere Verletzungen hervorrufen.
  • Alle Fenster müssen geschlossen sein, auch kein Fenster kippen! Frettchen sind kleine Kletterkünstler, die von offenen Fenstern regelrecht angezogen werden.
  • ggf. vorhandene Aschenbecher leeren und in sichere Höhe stellen.
  • Alkohol, Schokolade, Chips und andere "menschliche Genussmittel" sind für Frettchen besondere, jedoch ungesunde, bis hin zu tödlich endende "Leckerbissen". Der Besitzer steht in der Verantwortung, Sorge zu tragen, dass sie erst gar nicht in Versuchung kommen, diese zu stibitzen.
  • Topfpflanzen gesichert sind. Frettchen lieben es die Blumenerde auszugraben und im Zimmer zu verteilen. Abgesehen von der nicht erwünschten Unordnung, können in der Erde Düngemittel enthalten sein, die von den Kobolden ungewollt aufgenommen werden und zu Schäden führen können. Blumentöpfe lassen sich aber leicht mit zurechtgeschnittenem Hasendraht abdichten.
  • kleinere Tiere wie Nager oder Vögel nicht in den Räumen wohnen, in denen die Frettchen rumwuseln dürfen. Ist dieses unerlässlich, muss der Halter auch hier vorher dafür Sorge tragen, dass die Frettchen keine Möglichkeit haben, am Käfig der Tiere herauf zu klettern!

Die Zimmerhaltung:

Wer es sich leisten kann, den kleinen Trollen ein eigenes Zimmer zur Verfügung zu stellen, macht den Frettchen natürlich ein wunderbares Geschenk! Um kleinen Missgeschicken von Anfang an vorzubeugen und Streitigkeiten mit dem Vermieter zu vermeiden, empfiehlt es sich, den kompletten Boden und etwa 1 Meter hoch die Wände, mit PVC Folie auszulegen. Das hat den Vorteil, dass kein Urin ins Laminat ziehen kann und die "Überreste" der Raubtierfütterung ganz einfach weggewischt werden können.

Wie im Käfig auch, gilt hier: Für jedes Frettchen mind. eine Schlafmöglichkeit zum zurückziehen. Auch sollten in einem Raum mind. 2 Frettchentoiletten angeboten werden. Steckdosen und Stromleitungen stellen in der Regel keine Gefahr für Frettchen dar, können jedoch mit handelsüblichen Kindersicherungen schnell abgedeckt werden. Andere Gefahrenquellen, wie Heizungsschlitze in denen die Frettchen herab rutschen und nicht alleine wieder heraus kommen, müssen im Vorfeld gesichert werden.

Nun kann man den Raum nach Belieben einrichten. Gut und gerne angenommen werden halbhohe Katzenkratzbäume mit vielen Höhlen zum verstecken, Röhren aller Art (z.B. Drainagerohr aus dem Baumarkt), "Kuschelhöhlen", Wühl und Buddelkisten, Hundebetten, Hängematten, Bälle und natürlich klapperndes und quietschendes Spielzeug jeder Art.

Um den Kobolden mehr Anteil am „menschlichen“ Leben zu gewähren, verwenden viele Halter anstelle der normalen Türe, eine halbhohe Absperrung aus Holz oder Plexiglas. Damit kleine Kletterkünstlich jedoch nicht den Weg in die Freiheit finden, bietet es sich an, ein normales graues Abwasserrohr der Länge nach aufzuschneiden und als Kletterschutz auf der neuen „Tür“ zu befestigen.

Die Außenhaltung:

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Die wohl natürlichste Art der Frettchenhaltung stellt die Außenhaltung dar. Hierbei wird ein "Gehege" im Garten oder auf dem Balkon gebaut. Sollte das Gehege auf "buddelbarem" Untergrund (Wie z.B. Wiese oder Sand)stehen, so ist es dringend notwendig, im Vorfeld einen Betonuntergrund zu gießen oder den Gehegedraht mind. 1 einen Meter tief einzugraben. (Normaler Kaninchendraht ist hierbei NICHT ausreichend. Am besten verwendet man punktverschweisten Draht aus dem Baumarkt)

Wichtig bei der Außenhaltung ist zudem die richte Schlafbehausung. Diese sollte so groß sein, dass alle Frettchen gut Platz drinnen haben, jedoch so "klein" dass sie sich schnell, vor allem im Winter, aufwärmt. Mit Styropor und Heu/Stroh kann man solche Häuser gut isolieren. Decken und andere Kuscheltücher sind unbedingt notwendig. Natürlich müssen Häuser in diesen Bereichen auch wasserfest sein.

Zudem sollten etwaige Gefahren wie starker Regen/Stauwasser, große Hitze/Sonneneinstrahlung und Zugluft bedacht und richtige Vorkehrungen getroffen werden.

Impfung:

Unabhängig von der Haltung, müssen Frettchen 1x jährlich geimpft werden.
Hierfür sind lediglich zwei Impfungen notwendig.

  1. Staupe: hierfür gibt es einen speziellen für Frettchen/ Nerze entwickelten Impfstoff. Dieser ist als Einziges für die Marderartigen zulässig und ist unbedingt zu impfen. -> Febrivac DIST! (Erreger können auch über die Schuhe und Kleidung mit eingebracht werden und enden meist für die Tiere tödlich)
  2. Tollwut: die Tollwutimpfung kann mit den üblichen Katzen- und Hundeimpfungen durchgeführt werden. Üblich sind meist NobivacT, Nobivac Dist, Rabisin T, …

Andere Impfungen sind nicht notwendig und richten oft unnötigen Schaden an!

Das vorsorgliche Entwurmen der Marderartigen ist ebenso wenig notwendig. Durch den besonders kurzen Darm und die dadurch entstehende Verdauungszeit, ist es für Würmer und Bakterien fast unmöglich, sich im Frettchenkörper anzusiedeln. Hat man dennoch die Befürchtung eines Wurmbefalls, lässt sich dieser Mittels Kotprobe beim TÄ leicht feststellen und nachträglich behandeln. Eine prophylaktische Wurmkur stellt nur eine enorme chemische Belastung für den Tierkörper dar und ist deshalb zu vermeiden.
Fähen, die nicht oder nicht mehr zur Zucht eingesetzt werden, müssen kastriert werden! Frettchen neigen zur sog. Dauerranz, einer Östrogenvergiftung, die durch den ausbleibenden Deckakt in der Ranz hervorgerufene wird. Die Dauerranz stellt nicht nur eine besondere Stresssituation für Frettchen dar, sondern endet auch nicht selten tödlich…
Wie bei Hasen und Meerschweinchen wachsen Frettchenkrallen immer weiter, wenn sie keine oder kaum Möglichkeiten haben, sich die Krallen auf natürlichem Wege abzuschleifen, so muss der Halter eingreifen und die Krallen mit Hilfe einer Krallenschere/Krallenknipser kürzen. Hierfür gibt es einen kleinen Trick, bei dem man das Frettchen auf den Rücken legt und etwas Paste auf den Bauch schmiert. In dieser Position lassen sich die Krallen problemlos kürzen. Am besten ist es natürlich, sich das richtige Krallenschneiden von erfahrenen Personen zeigen zu lassen. Auch Tierärzte schneiden Krallen und können erklären, worauf man achten sollte.
Das Gleiche gilt für das Säubern der Öhrchen. Diese reinigt man am besten mit einem speziellen Ohrreiniger und Wattestäbchen. Um den Tieren keine Verletzungen zuzuführen, ist es jedoch dringend erforderlich, genau zu wissen, was man tut.

ErnährungErnährung

Auch wenn das Thema Ernährung bei Frettchen noch teilweise umstritten ist, gibt es wichtige Eckdaten, die unbedingt zu beachten sind.

Frettchen fressen und verdauen in einem Rhythmus von ungefähr 3 Stunden. Das bedeutet natürlich, dass sie in gleicher Zeit Fressen aufnehmen und entleeren müssen. Es ist daher unbedingt notwendig, eine entsprechende Grundlage bereitzustellen, von der sich die Marderartigen jederzeit bedienen können. Hierfür gibt es spezielle Frettchenfutter, die auf die Bedürfnisse der Marderartigen abgestimmt sind. Wichtig ist vor allem ein hoher Rohproteingehalt (mind. 30%), der hauptsächlich aus tierischen Proteinen besteht. Pflanzliches kann im Frettchendarm nicht verwertet werden und wird somit unverdaut wieder ausgeschieden. Getreide, Soja und Körner haben im Frettchenfutter nichts verloren und können sogar schädlich wirken. Geeignete Marken sind jedoch nur selten in Zoofachmärkten erhältlich und müssen demnach im Internet bestellt werden. Gängig und gut sind derzeit TotallyFerret, Frettchen4you, KennelNutritionsFerret, FerretComplete, …

Neben dem Trockenfutter sollte 1-2x pro Tag eine Frischmahlzeit gereicht werden. Hierzu sollten natürlich hauptsächlich Fleisch und Futtertiere verwendet werden. Bis auf Schweinefleisch kann alles Fleisch angeboten werden. Rind, Huhn, Wild, Kaninchen, … Erlaubt sind außerdem Organe wie Leber, Lunge und Herz, Hühnerhälse und Hühnerklein soweit dieses nicht gekocht ist (Splittergefahr!). Als Futtertiere eignen sich Eintagsküken, Mäuse, Wachteln, Hamster, … Diese sollten mind. 1x pro Woche gereicht werden, da sie der Nahrung des frei lebenden Iltisses am nächsten kommen und wichtige Bestandteile zur Erhaltung der Gesundheit enthalten.

Zur Abwechslung kann jedoch auch Katzennassfutter verwendet werden. Hierbei gelten ähnliche Zusammensetzungsregeln wie beim Trockenfutter. Der Anteil der tierischen Bestandteile sollte möglichst hoch sein, Getreide und Pflanzliches ist absolut ungeeignet. Mögliche Marken sind z.B. Grau, Animonda Carny, Schmusy, GourmetGold, Shah/Lux, …

zusätzliche Infoszusätzliche Infos

Frettchen gehören zur Kategorie der Stinkmarder und besitzen deshalb auch sog. „Stinkdrüsen“. Bei jedem Toilettengang setzten sie ein Teil des Sekretes ab und geben damit eine enorme Menge an Informationen für ihre Artgenossen frei. An dieser speziellen Marke können andere Tiere Details erhalten, die nicht nur über das Geschlecht aussagen, sondern such Gesundheitszustand und Geschlechtsbereitschaft vermitteln.

Frettchen gehören, wie Hunde und Katzen auch, zu den Tieren, die beim Grenzübertritt in der EU durch einen Chip und einen Heimtier-Ausweis gekennzeichnet sein müssen.

LiteraturLiteratur

AutorAutor

Text:

  • Dreamgerbil 03/2009

Bilder:

  • June 04/2008