MeerschweinchenMeerschweinchen

SteckbriefSteckbrief

Wissenschaftlicher Name: Cavia porcellus
Deutscher Name: Meerschweinchen
Englischer Name: guinea pig
Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricomorpha)
Teilordnung: Meerschweinchenverwandte (Caviomorpha)
Familie: Meerschweinchen (Caviidae)
Unterfamilie: Eigentliche Meerschweinchen (Caviinae)
Gattung: Echte Meerschweinchen (Cavia)
Art: Hausmeerschweinchen
Größe: 20 bis 30 cm
Gewicht: Weibchen 800 bis 1100 Gramm
Böckchen 900 bis 1500 Gramm
Lebenserwartung: 5 bis 8 Jahre
Geschlechtsreife: mit ca. 2 Monaten
Tragzeit: ca. 68 Tage
Wurfgröße: 1 bis 6 Junge
Brutpflege: Meerschweinchen kommen voll entwickelt zur Welt und machen schon wenige Stunden nach der Geburt ihr Zuhause unsicher
Sozialverhalten: Gruppentiere
Aktivitätsphasen: Tag- und -Nachtaktiv, passen sich aber dem Futtergeber an
Lebensraum: kein ursprünglicher Lebensraum, da die Meerschweinchen in ihrer heutigen Form, nicht in der freien Wildbahn vorkommt. Ursprünglich stammen sie aus Peru.
Ernährung: Gräser, Kräuter, Zweige und Blätter

Verbreitung / HerkunftVerbreitung / Herkunft

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In Peru wurden sie schon vor ca. 3000 Jahren domestiziert und dienten bis ins 20. Jahrhundert als Fleischlieferanten und Opfertiere. Dort leben sie in Höhlen, die sie sich allerdings nicht selber gegraben haben. Bereits im 16. Jahrhundert wurden sie nach Europa und Nordamerika exportiert.

AllgemeinesAllgemeines

Die Lautsprache der Meerschweinchen beinhaltet verschiedene Quiektöne, gurren, zirpen und Zähneklappern.

Den Kontakt halten Meerschweinchen mit leisen Peillauten, die so ähnlich wie „tuc, tuc, tuc“ klingen. Fast jeder Ortswechsel wird durch solche Laute eingeleitet. Bei Erregung werden diese Kontaktlaute lauter. Dieses führt meist zum Sammeln der Gruppe. Wird ein Meerschweinchen von der Gruppe getrennt oder verläuft sich, ruft es mit lautem Quieken nach der Gruppe, die Gruppe antwortet mit lautem Quieken so lange, bis das verloren gegangene Meerschweinchen wieder zurückgefunden hat oder nicht mehr antwortet. Dieses Quieken wird auch gegenüber dem Halter eingesetzt, um nach Futter zu betteln oder den Halter zu begrüßen.

bislang wurden folgende Fellvarianten beschrieben:

  • - kurzhaarige (Glatthaarmeerschweinchen)
  • - langhaarige (Langhaarmeerschweinchen)
  • - Tiere mit gekräuseltem Haar (US-Teddy, CH-Teddy, Rex, Lunkarya)
  • - Tiere mit Wirbeln am Körper (Rosettenmeerschweinchen) oder einem
  • - Kopfwirbel (Crested).

Anatomie: Das Gebiss der Meerschweinchen besitzt insgesamt 20 Zähne, davon sind vier Schneide- und 16 Backenzähne. Der Zahnwechsel findet bereits vor der Geburt im Mutterleib statt, sodass die Jungtiere mit dem bleibenden, bis auf zwei Zähne (die dritten Backenzähne) bereits vollständigen Gebiss geboren werden. Die Zähne besitzen offene Wurzeln, sodass sie zeitlebens wachsen und durch Nagen abgenützt werden müssen. Pro Woche wachsen sie 1,2 bis 1,5 mm bzw. pro Monat 5 bis 6 mm. Das Interessante daran kommt dann unter dem Punkt Ernährung!

Sehvermögen: Meerschweinchen besitzen einen weiten Sichtradius, können dafür Entfernungen schlechter abschätzen. Sie können zwar Farben unterscheiden, diese scheinen aber keine größere Bedeutung zu besitzen.

Hörvermögen: Meerschweinchen besitzen ein weiteres Hörspektrum als Menschen, besonders, was hohe Töne betrifft. Laut Ilse Pelz liegt „die oberste Hörgrenze [...] bei 33.000 Hertz (beim Menschen etwa 15.000 bis 20.000 Hertz).

Geruchssinn: Meerschweinchen besitzen einen sehr gut ausgeprägten Geruchssinn, welcher jenen des Menschen bei weitem übertrifft. Der Geruchssinn scheint der wichtigste Sinn für die Tiere zu sein. Sie nehmen ihre Umwelt sehr stark über Gerüche wahr.

Tastsinn: Meerschweinchen verfügen über Schnurrhaare (Vibrissen), mit denen sie sich im Dunkeln besser orientieren können.

Nur mal so nebenbei: das Tschudi-Meerschweinchen kann bei Gefahr einen Teil seiner Rückenhaare abwerfen, diese Fähigkeit ist im Laufe der Domestikation fast vollständig verloren gegangen.

Wie das Meerschweinchen zu seinem Namen kam? Es weiß niemand genau. Es gibt Vermutungen, die besagen, dass das Wort zusammengesetzt wurde durch das schweineähnlich Aussehen und die Art und Weise wie sie zu uns kamen (über das Meer). Andere Legenden erzählen von einem Hörfehler und andere von einem Übersetzungsfehler - was nun wirklich richtig ist, muss jeder selbst für sich entscheiden.

HaltungHaltung

Der häufigste Fehler ist, dass man den Platzbedarf eines Meerschweinchens unterschätzt. Tierläden verkaufen oft viel zu kleine Käfige, in denen die bewegungsfreudigen Tiere dann leiden.

Meerschweinchen können sowohl drinnen, als auch draußen gehalten werden. Handelsübliche Gitterkäfige sind eher ungeeignet, da sie meist eine zu geringe Größe haben. Besser sind die Tiere mit einem selbstgebauten Käfig bedient. Dieser kann nach oben auch offen bleiben, da die Tiere nicht klettern und auch nicht hoch springen. Die Behausung für zwei Tiere sollte min. 1,50x0,50 m groß sein, wobei hier mehrstündiger Auslauf sichergestellt sein sollte. Will man Meerschweinchen im Garten halten sollte ein isolierter und wetterfester Außenstall vorhanden sein. Ist ein solcher Stall gegeben können die Tiere auch im Winter draußen gehalten werden. Ein zusätzliches Gehege kann auch gebaut werden. Da Meerschweinchen nicht buddeln muss es nicht nach unten gesichert sein. Jedoch sollte es nach oben gesichert sein, damit die Tiere nicht als Spielzeug einer Katze oder eines Greifvogels enden. Die Mindesthöhe eines Stalls oder Geheges sollte 50 cm betragen.
Als Einstreu kann man normale Kleintierstreu und Stroh verwenden. Als Versteckmöglichkeit kann man einfache Holzhäuschen zur Verfügung stellen.

 

Das Wichtigste ist jedoch, dass Meerschweinchen nicht alleine gehalten werden. Sie sind Rudeltiere und man sollte mindestens zwei Tiere zusammen halten. Auch große Gruppen verstehen sich in der Regel sehr gut untereinander. Die Haltung mit einem Kaninchen ist nur dann zu empfehlen, wenn sowohl das Meerschweinchen, als auch das Kaninchen einen gleichen Artgenossen und viel Platz, um sich auch mal aus dem Weg gehen zu können, haben. In freier Wildbahn lebt immer ein Böckchen mit mehreren Weibchen und deren Nachwuchs zusammen. Dies ist in Gefangenschaft auch die idealste Konstellation, allerdings sollte das Männchen kastriert werden. Hier ist vor allem auch das Sozialverhalten am besten zu beobachten. Man kann aber auch zwei oder mehrere Weibchen miteinander halten oder auch eine Böckchengruppe ist möglich. Jedoch sollten die Tiere hier schon von klein auf zusammen sein und keinen Kontakt mit Weibchen haben, da es sonst zu einem Streit kommen kann.

Spielverhalten ist bei Meerschweinchen nicht so ausgeprägt wie bei anderen Säugetieren. Man sieht junge Meerschweinchen oft Luftsprünge machen. Je nach Konstitution und Alter der Meerschweinchen können diese Luftsprünge von 5cm bis 25cm Höhe erreichen. Unter guten Haltungsbedingungen erhalten sich diese Luftsprünge bis ins hohe Alter und gelten bei den Haltern als ein Zeichen von Wohlbefinden. Die gesamte Gruppe kann durch ein einzelnes hüpfendes Tier seinerseits zum Hüpfen veranlasst werden, was eine gewisse Ähnlichkeit mit Popcorn hat. So wurde von Meerschweinchenhaltern der Begriff „popcornen“ für diese Luftsprünge geprägt.

ErnährungErnährung

Heu sollte ständig zur Verfügung stehen. Es in großen Mengen über den ganzen Tag verteilt aufgenommen, hält den Darm in Schwung und der Zahnabrieb, der ständig wachsenden Zähne, wird gewährleistet. Täglich sollte man ebenfalls Grünfutter, was z.B. aus Gras und Löwenzahn bestehen kann, Gemüse oder Obst füttern. Allerdings sollte immer das Heu die Hauptnahrung sein. Die meisten Kohlarten sind nicht geeignet.

 

Gut:

Heu, Gras, Löwenzahn, Gänseblümchen, Schafgarbe, Ringelblume, Echte Kamille, Malve, Melisse, Giersch, Wegerich, Sonnenblume, Huflattich, Blätter von Mais, Erdbeere, Himbeere
Gemüse wie Möhren, Gurke. In geringen Mengen Petersilie (entwässert, zu viel kann zu Nieren- und Blasensteinen [Oxalsäure] führen aber enthält viel Vitamin C, bei trächtigen Tieren wirkt es wehen fördernd, Paprika (viel Vitamin C, v. a. gelbe Paprika), Tomaten (Tomaten mit grünen Stellen sind giftig, ebenso wie der Strunk), Salat (besser als Kopfsalat sind Endivien- und Romanescosalat, Eisbergsalat), Klee (sehr geringe Mengen, hoher Eiweiß- und Kalziumanteil, kann zu Durchfall, Blähungen und Nieren- und Blasensteinen führen), Obst wie Äpfel (ohne Kerngehäuse, die Kerne enthalten Blausäure), Beeren, Weintrauben und eingeschränkt Bananen (stark zucker- und stärkehaltig).

 

Schlecht:

Rote Bete (hoher Kalziumgehalt, kann Nieren- und Blasensteinbildung begünstigen), Sellerie mit Grün, Topinambur, Fenchel, Spinatblätter gehören eingeschränkt zum Nahrungsspektrum (enthalten Oxalsäure)
Weidenzweige (enthalten viel Oxalsäure), Thuja und Eibe sind giftig, Weihnachtsbäume oftmals gespritzt, Tomaten mit grünen Stellen sind giftig - ebenso wie der Strunk, Brot, Milchprodukte und insbesondere Honig, Avocado (giftig), sämtliche Zwiebelgewächse (auch Porree und Schnittlauch), Oleander.

Wichtig: Äpfel immer OHNE Kerngehäuse geben, die Kerne enthalten Blausäure!

Wenn die Tiere zu schnell an Frischfutter, insbesondere Gras im Frühling, bzw. neue Futtersorten gewöhnt werden, können sie Verdauungsprobleme bekommen.

Damit die Schneidezähne abgenutzt werden kann man den Tieren frische Zweige von Obstbäumen (wegen der Blausäure und den Gerbstoffen jedoch keine Äste von Steinobstsorten), Haselnussbäumen, Birken, Erlen, Weiden, Johannisbeer- und Heidelbeerbüschen geben. Auch Zweige von Nadelhölzern, also z.B. von Tannen, sind auch geeignet. Da Meerschweinchen nicht selber Vitamin C bilden können sollte man dies bei der Frischfutter- und Kräutergabe berücksichtigen und dafür sorgen, dass genug Vitamin C aufgenommen wird. Trockenfutter sollte man am besten gar nicht füttern. Es macht dick, macht durch das aufquellen übermäßig satt, belastet die Magenwände und führt dazu, dass nicht genügend Rohfaser (Heu) aufgenommen wird.

ZuchtZucht

Bei einer Paarung sollte das Weibchen 5-7 Monate alt sein. Älter sollte es nicht sein, da sich mit dem 10. Monat die Beckenknochen verhärten und es zu Geburtsproblemen kommen kann, die für das Weibchen tödlich enden könnten. Ein Männchen, das einmal gedeckt hat, kann oft nur schwer wieder in seine Böckchengruppe integriert werden. Ggf. sollte es nach dem Decken lieber kastriert werden und weibliche Gesellschaft bekommen. Er ist nach der Kastration allerdings noch 4-6 Wochen zeugungsfähig. Alle 14-18 Tage ist ein Weibchen aufnahmebereit und auch direkt nach der Geburt kann es wieder gedeckt werden. Die Tragzeit beträgt ca. 68 Tage, oft erkennt man die Trächtigkeit allerdings erst in den letzten 2-3 Wochen. Eiweiß und Vitamine sollten dem trächtigen Weibchen vermehrt gegeben werden. Das Männchen oder weitere Weibchen können bei der Geburt und der Aufzucht der Jungen bei der Mutter bleiben. Die Wurfstärke beträgt 1-6 Junge.

Entwicklung der Jungen:
Bei der Geburt wiegt ein Meerschweinchen ca. 60-100 g, wobei sie bis zu einem Alter von 6 Wochen täglich 3-4 g zunehmen. Bis zu einem Alter von 2-3 Wochen werden die Kleinen gesäugt, mit ca. 2 Monaten werden sie geschlechtsreif. Frühreife Böckchen sollten schon in einem Alter von 3-4 Wochen von der Mutter und den Schwestern getrennt werden. Es empfiehlt sich aber sie, zumindest bis sie 6-8 Wochen alt sind, in eine Böckchengruppe zu integrieren, in der sie weiterhin das Sozialverhalten von ausgewachsenen Tieren lernen können.

KrankheitenKrankheiten

Meerschweinchen entwickeln bei Vitamin-C-Mangel Skorbut.

Stellt ein Meerschweinchen das Fressen ein, kann sich außerdem durch die nachwachsenden Backenzähne eine Zahnbrücke über der Zunge oder Zahnspitzen bilden, die die Nahrungsaufnahme erschwert oder unmöglich macht und zum Tod des Tieres führen kann.

Eine weitere Besonderheit ist das lebenswichtige Fressen des so genannten Blinddarmkotes. Diese relativ weichen Kotballen werden ausgeschieden und gleich wieder aufgenommen, weil sie wichtige Bakterien enthalten, welche der Aufrechterhaltung des Vitamin-B-Bedarfs und Großteilen des Vitamin-K-Bedarfs der Tiere dienen.

Da Hausmeerschweinchen eine hohe Resorptionsrate für Kalzium haben, führt die Verfütterung kalziumreicher Futtermittel (Broccoli, Kohlrabiblätter, Luzerne, Petersilie) aufgrund der Ausscheidung über die Niere und des basischen Harns schnell zur Bildung von Harnsteinen

zusätzliche Infoszusätzliche Infos

Nahe Verwandte unserer Meerschweinchen nennen sich "Maras" und erinnern an eine Mischung aus Känguru und Kaninchen.

LiteraturLiteratur

AutorAutor

Text:

  • Delia 08/2009

Bilder:

  • Delia 08/2009