Mongolische RennmausMongolische Rennmaus

SteckbriefSteckbrief

Wissenschaftlicher Name: Meriones unguiculatus
Deutscher Name: Mongolische Rennmaus
Englischer Name: Mongolian Jird
Überfamilie: Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Langschwanzmäuse (Muridae)
Unterfamilie: Rennmäuse (Gerbillinae)
Tribus: Gerbillini
Gattung: Sandmäuse (Meriones)
Art: mongolische Rennmaus (Meriones unguiculatus)
Größe: Kopfrumpflänge: 10 bis 14 cm
Schwanz: 10 bis 12 cm
Gewicht: Männchen: 80 bis 120 Gramm
Weibchen: 67 bis 100 Gramm
Lebenserwartung: frei lebend bis zu acht Jahre, in Gefangenschaft meist nur zwei bis vier Jahre
Geschlechtsreife: Männchen mit ca. 10-12 Wochen
Weibchen mit ca. 8 Wochen
Tragzeit: 23–26 Tage
Wurfgröße: 1-12 Jungtiere, durchschnittlich 5-6
Brutpflege: Die Jungen sind Nesthocker und werden nackt und blind geboren. Mit 18-21 Tagen öffnen sich die Augen, schon kurz vorher beginnen sie ihre Umgebung zu erkunden. Mit ca. 4 Wochen werden die Rennmäuse nicht mehr gesäugt und fressen selbstständig. Nun lernen sie von ihren Eltern weiteres, wichtiges Sozialverhalten.
Sozialverhalten: leben gesellig und pflegen engen Kontakt zu ihren Artgenossen durch gegenseitiges Putzen, Kuscheln usw., allerdings kann es in größeren Gruppen (ab 3 Tieren) zu Streitereien kommen
Aktivitätsphasen: tag- und nachtaktiv im Wechsel (ca. 4h-Rhythmus)
Lebensraum: Steppe / Halbwüsten in der Mongolei und Nordchinas
Ernährung: karge Ernährung bestehend aus Sämereien, Gräsern, Wurzeln, Pflanzenteile, aber auch kleinere Insekten

HaltungsdiagrammHaltungsdiagramm

Anschaffungskosten
Unterhaltskosten
Platzbedarf
Zeitbedarf
Empfindlichkeit
Exoten-Faktor
Wildheit
Lärm-Faktor
Stink-Faktor
Verletzungsgefahr

Verbreitung / HerkunftVerbreitung / Herkunft

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Herkunft der Mongolischen Rennmaus in der Wildnis

Die Rennmaus bewohnt in der Wildnis vor allem Sandsteppen und Halbwüsten der Mongolei, Nordchinas, Afrikas und südlichen Asiens. Viele Regionen in der Mongolei haben extreme Temperaturschwankungen im Jahr, sowie auch im Laufe des Tages. Die Temperaturen reichen z.B. in der Wüste Gobi von + 30°C bis im Extremfall zu - 45°C. Das macht die wildlebenden mongolischen Rennmäuse sehr anpassungsfähig. Allerdings ist die Niederschlagsmenge im Jahr sehr gering. Zudem sind sie in Zentralasien als „Agrarschädlinge“ bekannt, da sie mittlerweile auch Getreidefelder und andere bewirtschaftete Flächen bewohnen.

Entwicklung der Mongolischen Rennmaus zum Haustier

Erstmals wurde die Rennmaus 1866 von dem Biologen Abb David entdeckt, der durch die Mongolei und China reiste, nachfolgend ein Auszug aus seinem Tagebuch: "Heute morgen kaufte ich drei gelbe Ratten. Ich kenne ihren Namen nicht, sie haben lange, haarige Schwänze." (nachzulesen in „Bradley Viner, Rennmäuse, Kynos Verlag).
Allerdings begann der Erfolg der Rennmaus als Haustier vorerst als Versuchstier in Laboren. Für die Laborzucht wurden 1935 ursprünglich 20 Paare in der östlichen Mongolei und Mandschurei gefangen und nach Japan transportiert. Dessen Nachkommen gelangten 1954 in die USA, wo sie weiter gezüchtet wurden. Anschließend kam die Rennmaus auch nach Europa, zunächst als Versuchstier. Es wird angenommen, dass unsere domestizierten Rennmäuse von eben diesen 20 Zuchtpaaren abstammen. In den USA hat die Rennmaus 1964 den Sprung vom Labortier zum mittlerweile sehr beliebten Haustier geschafft. Der Boom in Deutschland fand in den 90er Jahren statt, als neue Farbvarianten (ursprünglich: Agouti - Wildfarben) gezüchtet wurden, angeführt von den Schecken.

AllgemeinesAllgemeines

Die mongolischen Rennmaus (Meriones unguiculatus) ist die am häufigsten gehaltene Rennmausart und wird durch ihre drollige, neugierige Art und den vielen verschiedenen Farbformen immer beliebter.

In ihrer freien Wildbahn leben sie in engen Familienverbänden von ca. 15-20 Tieren zusammen, bestehend aus den Eltern und ihren Jungen (1-2 Würfe). In dieser Konstellation bekommen nur die Eltern Nachwuchs. Ihre Familie erkennen sie anhand des Geruchs, denn alle Mitglieder besitzen denselben Gruppengeruch, wer anders riecht, wird bekämpft und ihr Revier wird so verteidigt. Bei Gefahr vor ihren natürlichen Feinden trommeln die Rennmäuse mit den Hinterbeinen und warnen die restlichen Sippenmitglieder. Auch in Gefangenschaft zeigen sie diese Verhaltensweise, wenn sie z.B. erschreckt werden. In der Natur leben die Rennmäuse in selbst angelegten, unterirdischen, weit verzweigten Gangsystemen, in denen sie ihre Schlafnester und Futterkammern haben und sich vor der Witterung schützen können.
Rennmäuse leben nach einem 2-4 Stunden Rhythmus und sind dadurch sowohl tag- und nachtaktiv, was bei der Haltung beachtet werden sollte, denn sie können nachts auch einmal sehr laut werden. Einen Großteil ihrer Zeit verbringen sie mit der Futtersuche. Sie ernähren sich von Samen (Sämereien), Wurzeln, Pflanzenteilen und kleineren Insekten. Einen Teil ihres Wasserbedarfs decken sie mit ihrem Futter, deswegen trinken sie sehr wenig.

Rennmäuse sind am ganzen Körper behaart, die natürliche Fellfarbe ist braun mit einem hellen Bauch, diese Farbe nennt sich Agouti. In Gefangenschaft sind weitaus mehr Zuchtfarben bekannt. Ihr Schwanz dient ihnen als Balance und gleichzeitig auch zur Flucht, wenn sie in die Fänge ihrer Fressfeinde gelangen. Wenn sie am Schwanz gefangen werden, löst sich die Haut und das Fell des Schwanzes. Der übrige Rest trocknet ein, fällt dann ab oder wird von den Rennmäusen selbst abgebissen. Deswegen sollten sie niemals am Schwanz hochgehoben werden! Die Hinterbeine der Rennmäuse sind größer und länger als ihre Vorderbeine. Damit können sie schnell rennen und hoch und weit springen.
Rennmäuse besitzen am Bauch einen Schlitz, der als Duftdrüse bezeichnet wird. Mit dieser Duftdrüse markieren die Rennmäuse ihr Revier. Die Größe dieser Duftdrüse ist unterschiedlich, meist besitzen Männchen und dominante Rennmäuse größere Duftdrüsen.

HaltungHaltung

Es sollten mindestens zwei gleichgeschlechtliche Rennmäuse zusammen gehalten werden, da sie sehr gesellige Tiere sind, die zusammen kuscheln und sich gegenseitig putzen. Eine Einzelhaltung kommt deswegen keinesfalls in Frage! Männchen und Weibchen sollten nur zusammen gehalten werden, wenn man mit ihnen ernsthaft und verantwortungsvoll züchten möchte. Bei größeren Gruppen ab 3 Tieren kommt es häufig zu Revierstreitigkeiten mit Beißereien, die zur Trennung der Gruppe führen könnten. Größere Gruppenkonstellationen gehören daher nicht in Anfängerhände.
Rennmäuse lassen sich am Besten in Aquarien halten. Dieses sollte für zwei Rennmäuse mindestens 100x40x40 (LxBxH) sein, kann aber auch gerne größer sein. Größere Gruppen lassen sich in dieser Größe auch halten, ihnen sollte man aber kein zu großes Reich bieten, da es sonst zu Revierbildung und Streitigkeiten kommen kann. Da Rennmäuse bis zu 30cm hoch springen können, sollte man ihnen eine Abdeckung aus einem Holzrahmen & Hasengitter für das Aquarium bauen.

 

Rennmäuse benötigen 20-30cm Einstreu, um ihre Gangsysteme anlegen zu können. Als Einstreu kann die handelsübliche Kleintierstreu verwendet werden, nur staubt diese sehr. Besser eignet sich Hanfeinstreu, Allspan oder Flachseinstreu, die im Normalfall weniger stauben. Damit die Gänge stabiler werden, sollte auf Heu, Stroh und/oder Baumwolleinstreu nicht verzichtet werden. Als Einrichtungsgegenstände können Holzröhren/-tunnel, Korkröhren, Äste (z.B. Haselnuss, …), Poströhren, Wurzeln, Steine, Kokosnüsse usw. verwendet werden, die auch häufig ausgewechselt werden müssen, weil sie zernagt werden. Man sollte nur darauf achten, dass alle Einrichtungsgegenstände am Boden des Aquas stehen, da die Rennmäuse sonst zerquetscht werden könnten, wenn sie sich unten durch buddeln. Jegliche Einrichtung aus Plastik hat im Rennmausheim nichts verloren, wenn dieses zernagt wird, kann es von den Rennmäusen verschluckt werden und kann gesundheitliche Schäden nach sich ziehen. Zum Nagen können ihnen noch Klorollen, Küchenrollen, Geschenkpapierrollen, Eierschachteln, unbedruckte Pappkartons, Zweige usw. angeboten werden. Ein Laufrad ist zwar kein Muss, sollte aber mindestens 27cm Durchmesser haben, keinen Schereneffekt haben und eine geschlossen Lauffläche haben (Wodent Wheels). Zur Fellpflege benötigen die Rennmäuse ein Sandbad, welches auch als Klo benutzt wird, deswegen täglich gesiebt und einmal in der Woche erneuert werden sollte. Als Sandbadesand eignet sich Chinchillasand und als Sandbadebehälter z.B. ein Bonbonglas, ein größerer Fressnapf oder ein Blumenuntersetzer. Sowohl Sandbad, als auch Trinknapf/-flasche sollten auf einer 2. Ebene stehen, damit es nicht zugebuddelt wird (z.B. ein selbstgebauter „Tisch“). Als Nistmaterial empfiehlt sich Toilettenpapier/Taschentücher, Heu und/oder Stroh.
Das Becken muss nur alle 1-2 Monate komplett gereinigt werden, da Rennmäuse nicht stark riechen. Die Rennmäuse sollten solange in einer Transportbox, ausgestattet mit Streu, Heu Futter und Klorollen zum Nagen, untergebracht werden.

VergesellschaftungVergesellschaftung

Rennmäuse sollten nie alleine gehalten werden! Oft bekommt man sie auch nur noch in Gruppen von mind. 2 Tieren zu kaufen. Allerdings gibt es immer wieder ungünstige Situationen welche eine Vergesellschaftung nötig machen.
Da Rennmäuse in diesem Bereich sehr sensibel sind und viele Leute nicht wissen welche Vergesellschaftungsmethode für sie und ihre Mäuschen die Beste ist, habe ich hier mal die Geläufigsten aufgelistet und das Ganze mit meiner persönlichen Meinung abgerundet.

Wann ist eine Vergesellschaftung sinnvoll?

Eigentlich gibt es keinen Grund weshalb eine Vergesellschaftung früher oder später NICHT durchgeführt werden sollte. Es gibt jedoch Situationen, in denen es ratsam ist, mit einer Vergesellschaftung noch ein paar Tage/Wochen zu warten.

  • Tod einer Rennmaus: Ist der Partner einer Rennmaus verstorben hat es sich gezeigt, dass eine Vergesellschaftung wesentlich besser durchzuführen ist, wenn man ihr ein paar Tage zum Trauern gibt. Auch Rennmäuse brauchen ein wenig Zeit zum Trauern und zum Verstehen der neuen Situation. Fünf bis sieben Tage sollten aber reiche
  • Kranke / kränkelnde Rennmäuse: Eigentlich sollte es selbstverständlich sein das eine kranke oder kränkelnde Rennmaus nicht vergesellschaftet wird bis sie wieder gesund ist.
  • schwangere oder stillende Rennmäuse: Rennmausdamen in solchen "Umständen" sind natürlich in erster Linie auf ihren Nachwuchs bedacht und es sollte sich von selbst verstehen, dass Stress jeder Art schwere Folgen für sie und Nachwuchs mit sich ziehen kann.
  • alte Rennmäuse: Oft hört man: "nee, die Rennmaus ist schon drei Jahre alt, der will ich solchen Stress nicht mehr zumuten!" Das ist Quatsch. Eine Rennmaus ist nie zu alt zum Vergesellschaften, die Einsamkeit steht im keinen Verhältnis zu den paar Tagen Stress. Wenn die Rennmaus fit ist, sollte man dringend für einen Partner sorgen.

Klein-oder Engraummethode

Bei der die Kleinraummethode, nachfolgend nur noch als KRM abgekürzt, geht es im Prinzip darum den Rennern auf Grund von Platzmangel keine Möglichkeit zugeben ihre Revierkämpfe auszuführen. Zudem soll so erreicht werden, dass sich, schneller als in größeren Becken ein Einheitsgeruch bildet.
Bei einer KRM werden die zur Vergesellschaftung ausgesuchten Tiere in eine kleine Transportbox gesetzt. Die Transportbox sollte so spärlich wie möglich eingerichtet sein und KEINE Rückzugsmöglichkeiten bieten. Streu, Heu eine Trinkflasche und ein wenig Körnerfutter oder ein Stückchen Gemüse sind ausreichend. Die Renner werden in der Box aufeinandertreffen und sich beschnuppern, jetzt muss man abwarten. Rangeleien sind normal auch wenn dabei laut gequietscht wird. Man sollte erst eingreifen, wenn sich die Rennmäuse zu einem Knäul verbeißen.
Nach 24 bis 36 Stunden, wenn die Renner sich beruhigt haben, keine Aggressionen oder Aufregung mehr zeigen und im besten Fall zusammen in einer Ecke liegen und dösen, kann man ihnen etwas mehr Platz zur Verfügung stellen.
Eine etwa doppelt so große Transportbox, oder ein durch ein Trenngitter abgetrenntes Drittel eines Aquariums sind hierfür geeignet. Neben den Rennmäusen muss auch die Einstreu umsetzen werden. Diese darf sich nur langsam mit frischer vermischen damit der Geruch nicht verloren geht. So steigert man den Platz allmählich, bis die Renner ihren vorgesehenen Platz zur Verfügung haben. Sollten ab einer gewissen Größe wieder Reiberein auftreten, muss man wieder ein Schritt zurück gehen und von dort wieder weitermachen.
Ist der endgültige Platz erreicht und sie leben friedlich miteinander kann man anfangen ihnen Tag für Tag einen Einrichtungsgegenstand mehr zur Verfügung zu stellen. Erst nachdem das Aquarium komplett eingerichtet ist und die Renner mindestens 48 Stunden FRIEDLICH zusammen in diesem schlafen darf das erste Mal die Einstreu gewechselt werden. Um auf Nummer sicher zu gehen empfiehlt es sich einmalig nur die Hälfte der Streu zu wechseln bevor das ganze Becken gereinigt wird.

Diese Methode eignet sich vor allem für junge Rennmäuse und dauert etwa sieben Tage.

Trenngittermethode

Der Sinn der Trenngittermethode ist die Tiere langsam an einen einheitlichen Rudelgeruch zu gewöhnen und sie schonend zusammenzuführen. Im Gegensatz zur KRM geschieht dies langsamer, aber auch stressfreier für die Tiere.
Zuerst trennt man das Becken in dem die Tiere leben sollen, mit Hilfe des Trenngitters (siehe Bauanleitungen -> Trenngitter) genau in der Mitte in zwei Hälften. Beide Seiten des Beckens sollten wie bei der KRM nur mit Einstreu, Futter und Wasser eingerichtet sein. Kein Nistmaterial und keine Versteckmöglichkeiten! Am Anfang werden die Renner aufgeregt am Gitter hoch und runter klettern, versuchen sich unten durchzubuddeln und aufgeregt durch ihre Beckenhälfte flitzen. Nach etwa zwölf Stunden sollten das erste Mal die Seiten getauscht werden. Und wirklich nur die Renner, kein Streu, kein Futter!
Nach dem zweiten Tausch, also nach 24 Stunden, kann man den Rennern etwas Nistmaterial (Heu oder Küchenrolle) und Futter dazugeben.
Zwölf Stunden später wird wieder getauscht, erneut kann etwas Nistmaterial dazugegeben werden. Das Futter sollte nun am Trenngitter ausgestreut werden damit sich die Tiere beim Fressen gegenüber sitzen. Die Renner werden sich aus dem Nistmaterial Nester bauen. Den Rhythmus, die Renner alle zwölf Stunden zu tauschen, behält man mindestens zehn Tage bei.

Anfangs werden die Renner die fremden Nester nach dem Tausch komplett zerwühlen. Wenn sie das Nest des anderen zwei oder drei Seitenwechsel lang nicht mehr zerstören sondern es annehmen und in ihm schlafen kommen die Renner für 24 Stunden in eine kleine Transportbox (siehe KRM) welche mit Einstreu aus beiden Beckenhälften befüllt ist.

Wenn die 24 Stunden gut verlaufen sind nimmt man das Trenngitter heraus, mischt die noch vorhandene Reststreu mit der Einstreu aus dem Transportbecken und setz die Renner hinein. Wieder gilt es, den ersten Tag komplett auf Einrichtung zu verzichten und die einzelnen Gegenstände erst nach und nach in den Käfig zu geben.

Diese Methode eignet sich vor allem für ältere Rennmäuse und dauert etwa zehn bis zwölf Tage.

"Maggie-" oder Duftmethode

Der Sinn dieser Methode ist einzig der, die Renner durch penetrante Gerüche zu irritieren. Sie erkennen ihren Rudelgeruch nicht wieder und können so nicht zwischen Mäusen aus ihrem Rudel und fremden Artgenossen unterscheiden.

 

Diese Methode ist absolut nicht zu empfehlen!

 

Die Renner lassen sich nicht lange täuschen und es wird zu bösen Streitigkeiten kommen welche tödlich enden können. Aus diesem Grund verzichte ich darauf, hier die Vorgehensweise dieser Methode genauer zu erläutern.

Stressmethode

Sinn der Stress Methode ist es, die kleinen Renner so viel Stress und Panik auszusetzen, dass sie vor lauter Angst gar kein Interesse am Gegenüber zeigen.


Diese Methode ist absolut nicht geeignet!


Nachdem der Stress nachlässt sind schlimme Kämpfe vorprogrammiert. Diese können bis zum Tode führen. Aus diesem Grund verzichte ich auch hier darauf, die Vorgehensweise dieser Methode genauer zu erläutern.

Wann und wie eingreifen?

Lautes gequiekte, hüpfende Renner, soll ich nun eingreifen oder lieber noch abwarten?

Also natürlich verläuft eine VG in den seltensten Fällen ohne gequieke, manchmal hört es sich aber schlimmer an, als es ist. Am besten, man beobachtet die Rennmäuse genau. Stellen sich beide auf und quieken dabei, ist es noch nicht schlimm. Genauso, wenn sich einer unterwirft und der andere sein Maul dabei weit geöffnet hat.

Generell gilt aber, jagen sich die zwei und macht der/die gejagte halbe Luftsprünge dabei, lieber nochmal trennen. Wird richtig zugebissen (vor allem in Schwanznähe) oder bildet sich ein Knäul sollte man auch umgehend eingreifen.

Nur wie?

Niemals, aber wirklich niemals mit der Hand. Rennmauszähnchen bohren sich auch durch Lederhandschuhe. Die Rennmäuse werden es nicht böse meinen, sie beißen halt einfach in Panik alles, was sich ihnen nähert.

Um zwei Rennmäuse zu trennen, die sich verbissen haben, sollte man am besten eine Sprühflasche oder ein Glas voll Wasser bereit haben. Man besprüht sie mit der Sprühflasche oder mit dem Wasser. Im Normalfall werden beide Parteien von ein anderen ablassen und sich erst mal darum kümmern, halbwegs trocken zu werden. Sollte dies nicht der Fall sein, immer mit einer dicken Pappe o.ä. vorsichtig dazwischen gehen. Keinesfalls an einem der Tiere ziehen oder eine Rennmaus ergreifen und hochheben. Dieses kann zu viel schlimmeren Wunden führen, als eine Beißerei ohnehin schon tut.
Jagen sich die beiden Rennmäuse ist es am besten mit Hilfe einer Pappe etc. den Blickkontakt zu unterbrechen. Und schnell eine der beiden Mäuse aus dem Becken zu nehmen. Doch auch dieses bitte nicht mit der nackten Hand. Ein Handtuch, welches man auf eine der beiden Mäuse legt um sie vorsichtig damit aus dem Becken zu holen, ist die beste Variante.

Generell gilt:
Ein bisschen Zoff ist okay und sogar wichtig. Beobachte genau, ob es sog. Demutsschreie sind, also schreie, die eine Rennmaus ausstößt, während sie sich unterwirft, also nicht gebissen wird. Diese sind völlig "harmlos" es passiert also nichts - eine der beiden ordnet sich unter. Oder sind es Panikschreie, weil immer und immer wieder zugebissen wird. Sobald ernsthaft gebissen wird oder eine der beiden durchs Becken gejagt wird, lieber trennen.

ErnährungErnährung

Rennmäuse sollten als `Grundfutter` eine Mischung aus verschiedenen Sämereien bekommen. Gut eignet sich dafür z.B. die Sistermann-Mischung, bestehend aus 50% Wellensittichfutter, 20% Kanarienfutter und 30% Grassamen, die nach Volumen gemischt wird (z.B. 5 Tassen Wellifutter, 2 Kanarienfutter und 3 Grassamen). Zusätzlich kann diese Mischung mit weiteren Sämereien, Haferflocken, getrocknetem Gemüse und/oder getrockneten Kräuter gestreckt werden. Auch Hamsterfutter kann mit dieser Mischung gemischt werden, sollte vorher nur von Dickmachern, wie z.B. Sonnenblumenkerne, Nüsse, Mais oder Johannisbrot befreit werden und der Anteil der Sämereien sollte dabei überwiegen (2:1). Es muss kein Futternapf angeboten werden, das Futter kann einfach im Aqua verstreut werden (Keine Sorge die Rennmäuse finden das Futter in der Streu!). Kolbenhirse, Haferrispen, Weizenähren oder ähnliches kann einmal in der Woche als Nahrungsergänzung angeboten werden, welches gleichzeitig als Beschäftigung dient. Heu sollte den Rennmäusen je nach Bedarf angeboten werden, sie nutzen es nicht nur zum Nestbau, sondern fressen dieses auch.

 

Frischfutter darf auf dem Speiseplan der Rennmäuse nicht fehlen. Hierfür eignet sich Gemüse, aber auch frische Kräuter. Da Obst viel Fruchtzucker enthält, sollten die Rennmäuse dieses nur als Leckerli bekommen, weil es in großen Mengen ungesund ist und dick macht. Auch Grünfutter aus dem Garten, wie z.B. Gänseblümchen oder Löwenzahn (junge Blätter, Blüten) können verfüttert werden. Dieses sollte vor der Fütterung abgewaschen werden und nicht an Wiesen gepflückt werden, die vom Autoverkehr oder von Pestiziden/ Kunstdüngern stark belastet sind. Bei der Fütterung von Frischfutter gilt, dass alles, was die Rennmäuse nicht kennen, erst in geringen Mengen verfüttern werden sollte, um zu sehen, ob sie dieses überhaupt vertragen. Rennmäuse, die an Durchfallerkrankungen leiden, sollten kein Frischfutter bekommen. Frischfutter kann 3-4 Mal in der Woche, aber auch jeden Tag verfüttert werden. Einmal in der Woche sollte den Rennmäusen tierisches Eiweiß verfüttert werden. Dabei kann man auf lebendes Eiweißfutter, wie Mehlwürmer oder Heimchen zurückgreifen (1-2 pro Tier). Als Ausweichmöglichkeiten dienen laktosefreier Joghurt/Quark, gekochtes Eiweiß, Hüttenkäse oder Insekten- oder Eifutter aus der Vogelaufzucht. Rennmäuse trinken sehr wenig und decken große Teile ihres Wasserbedarfs durch ihr Frischfutter, sollten aber immer die Möglichkeit haben an ihr Wasser zu kommen, um zu trinken.

ZuchtZucht

Die vielen verschiedenen Farben der Rennmäuse verleiten viele Leute zur Zucht der kleinen Nager. Doch sollte vor so einem Schritt genügend vorüberlegt werden, denn verantwortungsvoll züchten, heißt nicht einfach nur Männchen und Weibchen zusammen zu werfen. Für eine Zucht sollte genug Platz vorhanden sein, um die Rennmäuse nach Geschlechtern trennen zu können oder auch ganz behalten zu können, wenn es nicht genügend Abnehmer gibt oder ein Abnehmer abspringt. Außerdem sollten die Elterntiere aus einer guten, verantwortungsvollen Zucht mit Stammbaum kommen, bei der Erbkrankheiten und Verwandtschaft ausgeschlossen werden können. Die Elterntiere sollten alt genug für die Zucht sein und ein gutes Sozialverhalten aufweisen, nicht aggressiv sein. Auch sollte man sich mit der Genetik, Vererbung, Erbkrankheiten usw. auskennen. Man kann zwar nach bestimmten Farben züchten, allerdings sollten Charakter, Sozialverhalten, Gesundheit und Langlebigkeit im Vordergrund stehen. Denn es bringt nichts, wenn man beispielsweise eine Rennmaus in einer schönen Farbe hat, die sich dann schwer oder gar nicht vergesellschaften lässt, weil sie zu aggressiv ist.

Zur Paarung sollten jeweils ein Männchen und ein Weibchen zusammen kommen, die vergesellschaftet werden müssen. Größere Gruppenkonstellationen sind weniger geeignet, weil es hierbei meist zu Problemen kommt, wie z.B. Streitereien unter Männchen um das Weibchen oder das Fressen der Jungen. Da Rennmäuse sehr vermehrungsfreudig sind und gleich nach dem Werfen des ersten Wurfes wieder gedeckt werden können, sollte den Rennmäusen eine Zuchtpause gegönnt werden bzw. das Männchen sofort vom Weibchen getrennt werden, wenn es ungewollter Nachwuchs war. Dauerhaftes Werfen sollte man den Weibchen nicht zumuten, da jede Schwangerschaft, Geburt und Aufzucht enormen Stress bedeutet.
Vor der Paarung kann das Männchen riechen, ob das Weibchen paarungsbereit ist. Das Männchen trommelt dann mit den Hinterpfoten auf den Boden und jagt dem Weibchen hinterher. Wenn sie paarungswillig ist, hebt sie ihr Hinterteil an, damit das Männchen sie begatten kann. Die Paarung kann mehrere Stunden dauern, da sich der Paarungsakt immer wiederholt.
Während Schwangerschaft und Aufzucht sollten Weibchen vermehrt tierisches Eiweiß bekommen. Erst kurz vor der Geburt wird das Weibchen richtig „rund“ und baut fleißig an ihrem Nest. Hierfür sollte natürlich genügend Nistmaterial angeboten werden.

Nach 23-26 Tagen bringt das Weibchen 1-12 Junge zur Welt. Bei Weibchen, die noch den ersten Wurf säugen, verlängert sich die Tragezeit. Die Jungen werden nackt, blind und taub geboren. In den ersten Wochen sollte das Weibchen nicht gestört werden, das Nest sollte man vollkommen in Ruhe lassen bis die Jungen selbst aus dem Nest kommen.
Nach 5 Tagen sind die ersten Haarspitzen bei den Jungtieren zu sehen. Mit 18-21 Tagen öffnen sich die Augen der Kleinen, kurz zuvor beginnen sie schon langsam ihre Umgebung zu erkunden. Ab der 3. Woche probieren sie erstes, festes Futter, werden aber weiterhin noch gesäugt. In den weiteren Wochen lernen sie weiteres, wichtiges Sozialverhalten von ihren Eltern bzw. ihrer Mama. Mit 6-7 Wochen können die Rennmäuse nach Geschlechtern getrennt werden.

Geschlechterbestimmung

Schon nach wenigen Tagen kann eine erste Geschlechterbestimmung vollzogen werden. In den ersten 5 Tagen kann man beim Weibchen Zitzen erkennen und sie somit von den Männchen unterscheiden. Die weitere Geschlechtsbestimmung kann ab der 4. Woche gemacht werden. Hierbei entscheidend ist der Abstand zwischen Geschlecht und After, der bei den Weibchen geringer ist, als bei Männchen.

KrankheitenKrankheiten

Diese Informationen sollen keinen Tierarztbesuch ersetzen, sondern nur einige Krankheiten der Rennmäuse erläutern. Wenn eine Rennmaus erste, ernsthafte Krankheitsanzeichen zeigt, sollte nicht lange gewartet werden und sofort ein Tierarzt aufgesucht werden, der der das Tier behandelt, denn jede Minute kann zählen und der Rennmaus schlimmere Leiden ersparen oder sogar vor dem Tod retten!
Bei einem Tierarztbesuch bitte alle Rennmäuse aus der Gruppe mitnehmen wegen dem Gruppengeruch!

Blutiges Nasensekret / Augensekret
Merkmale: rot-braunes Sekret am Auge oder an der Nase
Ursache: Dieses rot-braune Sekret, dass Blut sehr ähnlich sieht, wird in der Harderschen Drüse gebildet. Das Sekret wird durchs Putzen im Fell verteilt. Bei Stress (z.B. Vergesellschaftungen), Krankheiten (z.B. Erkältung) oder Allergien (z.B. gegen die Einstreu) kann das Sekret vermehrt ausgeschieden werden.
Behandlung: Wenn das Sekret über einen längeren Zeitraum austritt, sollte ein Tierarzt zu Rate gezogen werden. Bei einer Allergie kann eine andere Einstreusorte eine Lösung sein.

Atemwegserkrankungen
Merkmale: häufiges Niesen, Nasenausfluss/Augenausfluss, Appetitlosigkeit, Flankenatmung/Atemnot, Gewichtsabnahme, möglicherweise Klickgeräusche beim Atmen, struppiges Fell
Ursache: Zugluft oder trockene Raumluft, Viren oder Bakterien, starker Stress
Behandlung: Bei ersten Anzeichen einer Atemwegserkrankung bzw. einer Erkältung sollte ein Tierarzt aufgesucht werden, weil sich daraus auch schnell eine Lungenentzündung entwickeln kann. Vom Tierarzt kann Antibiotika verschrieben werden, außerdem brauchen die Rennmäuse jetzt viele Vitamine (durch Frischfutter) und Wärme (z.B. Rotlichtlampe).

Tumore
Merkmale: Verdickungen unter der Haut, die tastbar oder sichtbar sind, Gewichtsabnahme, häufig Tumor an der Duftdrüse
Ursache: gewisse Anfälligkeit wird vererbt, Umwelteinflüsse
Behandlung: Wenn ein Tumor bemerkt wird, sollte die Rennmaus einem Tierarzt vorgestellt werden, um Behandlungsmöglichkeiten durchzusprechen, die abhängig von der Lage und Art des Tumors und dem Alter des Tieres sind. Tumore unter der Haut und außen liegende Tumore können operativ entfernt werden, z.B. Duftdrüsentumore wurden schon erfolgreich entfernt. Vor der Operation sollte man bedenken, dass sich ein zweiter Tumor nach wenigen Wochen bilden könnte. Wenn sich eine Rennmaus unnötig mit dem Tumor quält und Schmerzen hat, sollte man in Erwägung ziehen sie einschläfern zu lassen.

Durchfallerkrankungen
Merkmale: schmieriger bis flüssiger Kot, verschmierter After, aufgeplustertes Fell, Gewichtsabnahme, aufgeblähter Bauch
Ursachen: Würmer oder Bakterien, Viruserkrankungen, Stress, plötzliche Futterumstellung, verdorbenes Futter, Frischfutter (z.B. zu große Mengen oder wenn Rennmäuse nicht an Frischfutter gewöhnt sind)
Behandlung: Einen Tierarzt konsultieren. Kotprobe beim Tierarzt auf Würmer und Bakterien untersuchen lassen und je nach Befund behandeln lassen (z.B. Wurmkur bei Würmern), Futterumstellung, Haferflocken & Hirse füttern, kein Frischfutter, viel Trinken, Wärme.

Parasiten
Merkmale: Haarausfall, struppiges Fell, häufiges Kratzen
Ursache: Milben oder Haarlinge
-> gelangen durch Futter, Heu, anderen Tieren, durch den Menschen usw. zu den Rennern
Behandlung: Anti-Milbenmittel vom Tierarzt z.B. Stronghold gegen Milben
-> Käfig, Einrichtung und Umgebung gründlich reinigen und gründlich desinfizieren, z.B. mit Bactazol oder Ardap-Spray
Vorbeugung: Neue Einrichtungsgegenstände vorher ausbacken, neue Tiere in Quarantäne setzen.

LiteraturLiteratur

AutorAutor

Text:

  • Dreamgerbil 05/2009
  • Issa 05/2009

Bilder:

  • Issa 05/2009
  • Rennmaus 05/2009